Hat Minister Jung die Wahrheit verschwiegen?
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25.11.2009 - 23:33 UHR
Von J. Meyer und J. Reichelt
Die Bombennacht von Kunduz (Afghanistan) – sie ist jetzt fast zwölf Wochen her. Am 4. September ließ ein deutscher Oberst zwei von den Taliban entführte Tanklaster bombardieren. Nach NATO-Angaben kamen damals bis zu 142 Menschen in dem Feuerball ums Leben.
Nach dem Angriff hatte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung tagelang behauptet, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Dabei hätte er es besser wissen müssen. Das belegen Unterlagen, die dem Minister zu diesem Zeitpunkt hätten bekannt sein müssen.
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Franz Josef Jung (60, CDU) war zur Zeit des Luftschlags Verteidigungsminister, ist jetzt Arbeitsminister
Franz Josef Jung
Hat der Minister die Wahrheit verschwiegen?
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Denn streng geheime Videos und ein bislang geheim gehaltener Bericht der Bundeswehr beweisen, dass Jungs Ministerium von Anfang an klare Hinweise auf zivile Opfer sowie auf unzureichende Aufklärung vor dem Bombenabwurf hatte. Der bisher unbekannte Bericht der deutschen Militärpolizei (Feldjäger, 20. Deutsches Einsatzkontingent) wurde nach BILD-Informationen bisher bewusst der zuständigen Staatsanwaltschaft vorenthalten.
In 42 Anlagen dokumentiert der Bericht (liegt BILD exklusiv vor), zu welchem Zeitpunkt u. a. Informationen über zivile Opfer vom deutschen Regionalkommando in Masar-i-Sharif ans Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam übermittelt wurden.
Obwohl diese Informationen ein völlig anderes Bild der Ereignisse ergaben, wiederholte Minister Jung in Zeitungsinterviews und vor dem Bundestag immer wieder, es seien „ausschließlich terroristische Taliban“ getroffen worden, und der Kommandeur vor Ort habe „eindeutige Hinweise“ gehabt, dass es sich bei Personen bei den Tanklastern ausschließlich um Aufständische handele. BILD dokumentiert die Widersprüche.
ZIVILE OPFER
In einem Interview mit BILD am SONNTAG vom 6. September – zwei Tage nach dem Luftangriff – sagte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung: „Nach allen mir zurzeit vorliegenden Informationen sind bei dem durch ein US-Flugzeug durchgeführten Einsatz ausschließlich terroristische Taliban getötet worden.“
ABER: Bereits am Abend des 4. September – also nur wenige Stunden nach dem Luftschlag – meldete das deutsche Regionalkommando in Masar-i-Sharif an das Einsatzführungskommando in Potsdam klare Hinweise auf zivile Opfer. Das geht aus Anlage 23 des Feldjägerberichts hervor.
In der Meldung heißt es, dass im Krankenhaus von Kunduz „sechs Patienten im Alter von zehn bis zwanzig Jahren“, also auch Kinder, im Zusammenhang mit dem Luftschlag behandelt werden. Außerdem berichtete das Regionalkommando unter Berufung auf NATO-Verbündete von „zwei Leichen im Teenager-Alter“ im Krankenhaus.
Ein deutscher Oberstarzt im Regionalkommando schrieb in seinem Bericht, der ebenfalls am Abend des 4. September nach Potsdam übersandt wurde, erst von einem Kind, später von zwei Jungen, „etwa 14 Jahre alt“, mit „offenem Bruch“ und „Schrapnell-Verletzungen“.
Und: Unter Berufung auf NATO-Verbündete meldete das deutsche Regionalkommando am Abend des 4. September auch, dass Taliban-Kämpfer vor dem Bombenangriff eine Moschee stürmten und „mehrere Dorfbewohner zwangen, mit Traktoren bei der Bergung des Benzins zu helfen. 14 von ihnen sind seitdem verschwunden.“
Klartext: Nicht alle Personen bei den Tanklastern waren Taliban – und Jungs wichtigste Kommandozentrale wusste davon!
SCHLECHTE AUFKLÄRUNG
Am 8. September bekräftigte Jung im Bundestag seine Unterstützung für Oberst Georg Klein, der den Luftangriff angeordnet hatte: „Er hatte durch klare Aufklärungsmittel den eindeutigen Hinweis, dass es sich ausschließlich um regierungsfeindliche Kräfte handelt.“
ABER: Zu diesem Zeitpunkt war in Jungs Ministerium längst bekannt, dass Oberst Klein seine Entscheidung aufgrund von nicht eindeutigen Videobildern und den Aussagen eines afghanischen Informanten traf, der selber gar nicht bei den Tanklastern war.
Nach Auswertung der Videobilder kamen NATO-Verbündete in einem Bericht vom 6. September zu dem Schluss, es sei für Oberst Klein unmöglich gewesen, „anhand der Bilder die Aussagen des Informanten zu bekräftigen“.
Dieser Bericht des „Initial Action Team“ der NATO (Anlage 33 im Feldjägerbericht) lag Jungs Ministerium vor.
Noch größere Zweifel bestehen an der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Informanten, dem Oberst Klein bei seiner Entscheidung zur Bombardierung traute. So meldete Brigadegeneral Jörg Vollmer, Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan und Kleins Vorgesetzter, am Abend des 4. September ans Einsatzführungskommando (Anlage 22), dass der Informant die Tanklaster gar nicht sehen konnte.
In Vollmers Schreiben heißt es: „Der Kontakt war in der Nähe des Geschehens ohne Blickverbindung, stand jedoch telefonisch in Verbindung mit den INS (den Aufständischen, d. Red.).“
Auch lagen Jungs Ministerium Aussagen von Oberst Klein vor, nach denen der sich bei seiner Entscheidung auf Mutmaßungen stützte: „Eine Sandbank in einem Fluss ist ein so einzigartiger Ort, dass die Personen dort Aufständische gewesen sein mussten“, so Kleins Erklärung vom 4. September.
Klartext: Bei seiner Rede im Bundestag musste Jung wissen, dass sein Oberst keine „eindeutigen Hinweise“ hatte.
Der Bericht der Feldjäger bewertet die Ereignisse vom 4. September überaus kritisch. Die Klärung der offenen Punkte bzw. möglichen Versäumnisse habe besondere Bedeutung, so heißt es in dem Bericht, „da aufgrund der im PRT Kunduz (das deutsche Feldlager, d. Red.) vorhandenen Aufklärungsergebnisse offensichtlich war, dass der Bombenabwurf zu zahlreichen Toten und Verletzten führen wird bzw. geführt hat, ohne dass unmittelbar vor und nach dem Vorfall adäquat gehandelt wurde.“
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